Eigentlich ist Holger Zimmermann einer, der seine Angelegenheiten gerne geklärt und geordnet haben möchte. Das betrifft die großen Dinge im Leben, aber auch die kleinen Alltäglichkeiten. Zum Beispiel trinkt er morgens in einem Kaffeehaus in Ruhe seinen Kaffee. Regelmäßig um 8.00 Uhr strebt er seinen „Stammplatz“ an, nachdem er seinen Sohn Gerry (15) einige Straßen weiter in die Schule gebracht hat. Mit dem ersten Schluck werden die Sportseiten diverser Zeitungen aufschlagen. Das ist der Inbegriff eines guten Tagesbeginns für den 1967 in Baumschulenweg geborenen Berliner. Er sitzt bevorzugt an ein und demselben Tisch. Das ständige Gewechsle anderer Leute kann er nicht verstehen, meint der Mann, dessen beruflicher Werdegang im krassen Gegensatz zu dem Kaffeehausritual zu stehen scheint. Zwar charakterisieren ihn feste Gewohnheiten, doch sein tabellarischer Lebenslauf ist dennoch ein Beweis dafür, dass er bei seiner beruflichen Karriere nicht nur an einem Tisch sitzen geblieben ist. Wenn es galt und gilt, sich mit Mut und Zuversicht den Veränderungen des Lebens zu stellen und dabei eigene Visionen zu verwirklichen, nahm und nimmt er Hindernisse und Umwege gelassen in Kauf. Mit Erfolg, wie man sieht, denn 2005 erfüllte er sich einen Traum: Er gründete einen eigenen Fußballverein.
Aber blicken wir zuerst einige Jahre zurück: Neben seiner ersten Ausbildung und Tätigkeit als Drucker (1985-1988), der sich nach der Armeezeit eine zweite als Kellner und Barkeeper (1989-1990) anschließt, listet sich 1990 eine dritte zum Versicherungskaufmann auf, um dann eine Tätigkeit als Trainer, Ausbildungsleiter und Selbständiger Vertriebsleiter der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG (HMI) und der Dresdner Finanzberatungsgesellschaft der Dresdner Bank anzuschließen. 1996 geht’s in eine völlig andere Richtung. Zimmermann gründet und führt das Franchiseunternehmen „Biomarkt“ mit mehren Bioläden in Berlin und Deutschland, wobei er von 1996 bis 2004 Inhaber des Einzelhandels FORTSCHRITT – Bioprodukte preiswert ist.
Erst sein nächster beruflicher Schritt - 1996 macht sich Zimmermann als Mentaltrainer selbstständig - dürfte für das, was er heute macht, von grundlegender Bedeutung sein, wenn man seine Kindheitserlebnisse nicht in den Vordergrund spielen möchte. Sie sollen trotzdem erwähnt werden: In einer Familie groß geworden, in der die Farbe Weinrot verboten war, wurde die „Alte Försterei“ das erste Fußballstadion seines Lebens, in dem er mit 6 Jahren hartnäckig „Eisern Union“ von den Rängen rief. Mit 10 kickte er dann selbst das Runde ins Eckige als Rechter Verteidiger und Vorstopper, für die BSG Motor Baumschulenweg. Medaillen bei der Kinder- und Jugend - Spartakiade, der Aufstieg in die Bezirksklasse und eine Probewoche beim 1. FC Union II bildeten damals die Höhepunkte seiner sportlichen Laufbahn.
Abgesehen von einigen missglückten späteren Versuchen, alte Fanträume als Zuschauer bei HERTHA BSC in der 2. und 1. Bundesliga mit der Hoffnung auf eine neue Fußballeuphorie und eine frische Fußballliebe wieder aufleben zu lassen, blieb es um Zimmermann eher still. Die Champions League – Spiele und die Auftritte von Sebastian Deisler veranlassten ihn zwar zum Kauf einer Dauerkarte, aber so richtig konnten ihn die Hertha und das Stadion nicht begeistern. Die Stimmung in der riesigen Schüssel und der große Abstand zum Spiel erzeugten für Zimmermann zu selten große Fußballfeste mit Emotionen und Spannung.
Erst die Tätigkeit als Mentaltrainer führte ihn – wie schon erwähnt – wieder zum Fußball. Zur Leistungssteigerung wollte der BFC Dynamo das Mentaltraining nutzen. Zimmermann wurde engagiert. Ausgerechnet der Erzrivale vom 1. FC Union! Aber einmal angekommen im Sportforum, bietet ihm der Vorstand den Posten des Marketingmanagers und des Pressesprechers an. Seine Telefonstimme „BFC Dynamo – Holger Zimmermann“ war ihm anfangs gehörig fremd, aber schon beim ersten Punktspiel des BFC in Schönberg brüllte er „Auf Dynamo“ von der Tribüne. So entstand nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ein neue Fußballliebe, die nur im Jahr 2002 kurz mit einem Abstecher zum Oberligaclub Berliner AK als Manager und Präsident unterbrochen wurde. Mit dem ehemaligen Bremer Bundesligaprofi Uli Borowka als Cheftrainer und einem kleinen Team gelang nach einer sensationellen Aufholjagd der Erhalt der Oberliga. Aber der BFC ruft ihn zurück: als Jugendtrainer, später dann als Vizepräsident in den Vorstand.
Doch Zimmermann kann sich mit der Vereinmeierei, dem ständigen Wechsel von Ansprechpartnern und dem auseinanderklaffenden Unterschied von Anspruch und Wirklichkeit insbesondere in der Jugendarbeit beim BFC auf lange Sicht nicht anfreunden. Er kommt da an, wo er heute steht: Er beginnt seine Idee vom Fußball mit der Gründung des FC Berlin zu verwirklichen. Zuerst schreibt er ein Buch zum Thema Fußballtraining für Kinder. Titel „Bälle an den Fuß und los“. Vor einem Jahr, gründet Holger Zimmermann den FC Berlin mit zwei Zielen: 1. eine leistungsstarke Jugendabteilung aufzubauen, 2. eine private Grundsschule mit Fußballförderung zu gründen. Als dritten Punkt hegt er die Hoffnung, irgendwann später vielleicht auch noch eine attraktive Männermannschaft zu gründen. Der Verein soll mit kompetenten Partnern und gut ausgebildeten Trainern funktionieren, aber ohne Rangelei um Posten, die Prestige versprechen. Kinder und Jugendliche sollen mit Freude am Spiel ausgebildet werden, ohne brüllende Trainer am Spielfeldrand. „Bälle an den Fuß und los...“ ist das Motto, denn Fußballspielen lernt man nur durch Fußball spielen.